Rund 120.000 Euro brut im Jahr, so wird es überall zitiert, wenn es um das Gehalt in der 3. Liga geht. Ich habe diese Zahl lange geglaubt. Dann saß ich bei einem Auswärtsspiel im Gästeblock, neben mir der Vater eines Innenverteidigers, und der hat gelacht. Nicht böse, eher so ein müdes Lachen. "Rechnen Sie das mal netto", sagte er. "Und dann rechnen Sie noch mal."
Seitdem schaue ich genauer hin. Was in der 3. Liga auf dem Konto landet, hat mit diesen 120.000 Euro nämlich ungefähr so viel zu tun wie ein Amateurvertrag mit einem Bundesliga-Vertrag. Und wer verstehen will, wie das Gehalt in der 3. Liga wirklich funktioniert, muss drei Dinge auseinanderhalten: den Statustyp des Spielers, die Anhänge im Vertrag und die brutale Kürze dieser Karriere.
Wichtige Erkenntnisse
- Das durchschnittliche Bruttogehalt in der 3. Liga liegt grob in der Größenordnung von 100.000 bis 130.000 Euro jährlich – aber das ist ein Mittelwert, den ein Dutzend Topverdiener nach oben ziehen.
- Zwischen einem Nachwuchsspieler und einem erfahrenen Stammspieler liegen oft 20.000 und 15.000 Euro brutto im Monat auseinander. Die Spanne ist größer als in der Bundesliga.
- Prämien und Punktgelder machen in manchen Verträgen 30 bis 40 Prozent des Jahreseinkommens aus. Sie sind nicht garantiert.
- Ein Traditionsstandort zahlt deutlich mehr als ein Aufsteiger mit 4.000 Zuschauern. Der Verein, nicht die Liga, bestimmt das Gehalt.
- Netto bleibt von einem Bruttogehalt von 10.000 Euro im Monat je nach Steuerklasse oft weniger als die Hälfte übrig.
Gehalt in der 3. Liga: zwischen Profivertrag und Nebenjob
Die 3. Liga ist die kurioseste Profiliga Europas, und das sage ich ohne Pathos. Sie ist offiziell Profiliga, hat Lizenzauflagen, einen Fernsehvertrag und Aufstiegsrecht in die 2. Bundesliga. Gleichzeitig spielen dort Vereine, deren gesamter Kaderetat unter dem Jahresgehalt eines Bundesliga-Ersatzspielers liegt.
Genau diese Konstruktion erzeugt die Gehaltsverzerrung.
Es gibt nicht "das" Gehalt – es gibt drei Spielertypen
Wer über Gehälter in der 3. Liga redet, als gäbe es eine einzige Zahl, redet Unsinn. In der Praxis sehe ich drei Gruppen, und die unterscheiden sich gewaltig:
- Nachwuchs und Ergänzungsspieler – Verträge im Bereich von 2.000 bis 3.500 Euro brutto monatlich. Bei manchen Vereinen verdienen diese Spieler weniger als ein ausgelernter Handwerker mit Schichtzulagen.
- Stammspieler mit Erfahrung – irgendwo zwischen 6.000 und 10.000 Euro brutto. Das ist die breite Mitte, und sie deckt sich mit der viel zitierten Durchschnittszahl.
- Topverdiener – die Rede ist von 15.000 bis 25.000 Euro brutto monatlich. In dieser Gruppe finden sich abgestiegene Zweitligaprofis, Kapitäne und Torjäger, die ein Aufstiegsprojekt tragen sollen.
Das sind keine exakten Marktpreise, sondern Größenordnungen, die sich aus Vertragsgesprächen und Berichten aus dem Umfeld der Vereine ergeben. Wer Ihnen eine exakte Gehaltstabelle der 3. Liga zeigt, hat sie mit ziemlicher Sicherheit erfunden – solche Daten veröffentlicht kein Verein.
Was mich daran am meisten überrascht hat: Die interne Spreizung ist größer als in der Bundesliga. In der Bundesliga verdient der Geringstverdiener vielleicht das Fünfzehnfache des Mindestlohns, in der 3. Liga arbeitet der eine Kollege für 2.200 Euro und der andere für 20.000. In derselben Kabine. Beim selben Training.
Was den Unterschied macht
Ein Spieler aus der eigenen Jugend, der gerade hochgezogen wurde, hat praktisch keine Verhandlungsmacht. Er hat einen Vertrag, der ihm überhaupt erst erlaubt, Profi zu sein, und der Verein weiß das. Andererseits: Ein 29-jähriger Innenverteidiger mit 180 Zweitligaspielen, der ablösefrei kommt? Der kann Forderungen stellen, weil er der Mannschaft sofort Stabilität gibt.
Dazwischen liegt alles, was den Markt bestimmt: Verletzungshistorie, Zweitligavergangenheit, Torgefahr, Position. Torhüter und Stürmer werden anders bezahlt als Außenverteidiger. Und ein Verein, der gerade aufgestiegen ist, zahlt fast immer schlechter als ein Traditionsclub mit 15.000 Zuschauern im Schnitt.
Wie viel verdient ein 3.-Liga-Spieler netto?
Hier wird es unangenehm. Ein Bruttogehalt von 10.000 Euro im Monat klingt nach einem komfortablen Leben, und solange man die Steuerklasse und die Sozialabgaben nicht einbezieht, ist die Zahl auch bequem. Sobald man sie einbezieht, sieht sie anders aus.
Ein Profifußballer ist kein normaler Arbeitnehmer mit 40 Berufsjahren. Er zahlt regulär Lohnsteuer, dazu kommen Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung – wobei Sportler in der gesetzlichen Rentenversicherung oft Sonderregelungen unterliegen und viele von ihnen zusätzlich privat vorsorgen müssen. Bei Steuerklasse I kann von 10.000 Euro brutto deutlich weniger als die Hälfte übrig bleiben. Rechnen Sie einmal mit grob 4.500 bis 5.500 Euro netto, abhängig von Steuerklasse, Bundesland und individuellen Freibeträgen.
Für einen Stammspieler mit 8.000 Euro brutto heißt das: vielleicht 3.700 Euro netto. Das ist ein ordentliches Einkommen. Es ist kein Reichtum. Und es ist ein Einkommen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit mit 33 Jahren endet.
Deshalb ist die Frage nach dem Netto nicht kleinlich. Sie ist die eigentliche Frage.
Die kurze Karriere rechnet niemand mit
Ein Spieler, der mit 20 in der 3. Liga anfängt und mit 33 aufhört, hat 13 Verdienstjahre. Ein Angestellter hat 40. Wenn ein Drittligaspieler also im Schnitt 100.000 Euro brutto im Jahr verdient und ein Akademiker mit 45.000 Euro einsteigt und bis 65 arbeitet, dann sieht die Bilanz plötzlich nicht mehr so eindeutig aus.
Dazu kommt: Nach der Karriere muss fast jeder dieser Spieler noch 25 bis 30 Jahre arbeiten. Viele machen eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, werden Trainer im Nachwuchs oder steigen in einen ganz anderen Beruf ein. Ich kenne einen ehemaligen Drittligaspieler, der heute in Teilzeit im Vertrieb arbeitet und sagt, er habe in seinen acht Profijahren nicht einmal genug zurückgelegt, um ein Jahr ohne Einkommen zu überbrücken.
Prämien, Punktgelder und das Einkommen, das keiner kennt
Die Gehaltszahl ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte steckt in den Anhängen des Vertrags, und die liest niemand außerhalb des Vereins.
Was in einem typischen Vertrag steht
- Eine feste Monatsvergütung, in zwölf oder dreizehn Raten ausgezahlt.
- Punktprämien – oft zwischen 500 und 1.500 Euro pro gewonnenem oder unentschiedenem Spiel, je nach Kaderstatus.
- Einsatzprämien für Startelfnominierungen, manchmal gestaffelt nach Wettbewerb.
- Aufstiegsprämien, die bei Aufstieg in die 2. Bundesliga in die Zehntausende gehen können und in einem einzigen Sommer mehr bringen als ein halbes Jahresgehalt.
- Erfolgsbeteiligungen, die an Zuschauerschnitt oder Tabellenplatz gekoppelt sind.
Diese Bestandteile machen bei manchen Spielern 30 bis 40 Prozent des Jahreseinkommens aus. Sie sind aber nicht garantiert. Eine Saison mit vielen Verletzungen, ein Trainerwechsel, ein Abstiegskampf – und die Prämien verdampfen.
Dazu kommen persönliche Sponsoringverträge, die aber in der 3. Liga eine untergeordnete Rolle spielen. Wer hierzulande als Drittligaspieler glaubt, über Werbeeinnahmen sein Einkommen aufzubessern, wird enttäuscht. Die Ausnahme sind Spieler mit regional starker Verankerung, die bei lokalen Autohäusern oder Handwerksbetrieben kleinere Kooperationen abschließen. Von einem zusätzlichen Gehalt kann da kaum die Rede sein.
Der Vergleich: 3. Liga, 2. Bundesliga, Regionalliga
Wer verstehen will, warum die 3. Liga so umkämpft ist, muss nur die Gehaltsstufen nebeneinander legen. Der Sprung nach oben ist klein, der Sprung nach unten ist ein Absturz.
| Liga | Typisches Bruttogehalt pro Monat | Bemerkung |
|---|---|---|
| Regionalliga (4. Liga) | 500 bis 3.000 Euro | Übergang zwischen Amateur und Profi, viele Spieler arbeiten zusätzlich |
| 3. Liga | 2.000 bis 25.000 Euro | Extrem gespreizt, durchschnittlich grob 8.000 bis 10.000 Euro |
| 2. Bundesliga | 20.000 bis 60.000 Euro | Die Topverdiener liegen bei über 100.000 Euro monatlich |
| Bundesliga | 100.000 bis mehrere Millionen | Die absolute Spitze verdient jährlich zweistellige Millionenbeträge |
Der Sprung von der 3. Liga in die 2. Bundesliga kann das Gehalt verdreifachen. Der Sprung von der 3. Liga in die Regionalliga halbiert es mindestens. Das erklärt, warum der Kampf gegen den Abstieg in dieser Liga so verbissen ist und warum manche Vereine im Winter teure Verstärkungen holen, die sie sich eigentlich nicht leisten können.
Was verdienen Trainer und Staff in der 3. Liga?
Cheftrainer in der 3. Liga verdienen in der Regel zwischen 8.000 und 20.000 Euro brutto im Monat. Das ist weniger, als viele erwarten – und deutlich weniger als in der 2. Bundesliga, wo ein erfahrener Trainer schnell das Doppelte oder Dreifache bekommt.
Der Co-Trainer liegt darunter, oft bei 3.000 bis 6.000 Euro. Torwarttrainer und Athletiktrainer sind häufig Teilzeitstellen oder werden an andere Aufgaben im Verein gekoppelt. Ein Mannschaftsarzt arbeitet in vielen Fällen auf Honorarbasis und hat eine eigene Praxis. Der Physiotherapeut verdient als Angestellter des Vereins selten mehr als 3.000 Euro monatlich.
Gibt es ein Mindestgehalt in der 3. Liga?
Ein ligaweites Mindestgehalt gibt es nicht. Die 3. Liga kennt keine Tarifverträge und keine Gehaltsuntergrenze, die für alle Vereine gilt. Was es gibt, sind Lizenzierungsauflagen, die sich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins beziehen, nicht auf die Höhe der Spielergehälter.
In der Praxis bedeutet das: Ein Verein mit knappem Etat kann Spieler mit 1.500 Euro brutto im Monat beschäftigen, solange die Verträge den arbeitsrechtlichen Mindestanforderungen entsprechen. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage – ein Spieler, der von seinem Gehalt nicht leben kann, wird irgendwann gehen oder zusätzlich arbeiten müssen, und beides kostet den Verein mehr, als er spart.
Was bleibt
Die 3. Liga ist keine kleine Bundesliga. Sie ist ein eigener Kosmos mit einer eigenen Logik, in der ein 22-Jähriger und ein 32-Jähriger in derselben Kabine sitzen, denselben Ball treten und völlig unterschiedliche Leben führen. Die viel zitierte Durchschnittszahl von rund 120.000 Euro brutto im Jahr beschreibt einen Mittelwert, den die Hälfte der Spieler nicht erreicht.
Wer ehrlich auf diese Liga schaut, sieht keine Millionäre. Er sieht Menschen mit einem kurzen Berufsleben, einem unsicheren zweiten Akt und einem Gehalt, das brutto beeindruckend und netto ernüchternd aussieht. Und er sieht eine Liga, die genau davon lebt, dass der Traum vom nächsten Vertrag immer noch ein Stück größer ist als die Zahl auf dem Kontoauszug.