Politik & Gesellschaft

In Deutschland Urlaub mit Kindern: Die 15 besten Ideen für Familien

Urlaub mit Kindern in Deutschland ist kein Kompromiss, sondern oft die günstigere Wahl: Eine Woche für vier Personen gibt es realistisch ab 900 Euro. Warum gerade die Herbstferien und das Deutschlandticket Ihr Budget schonen, zeigt dieser Erfahrungsbericht.

In Deutschland Urlaub mit Kindern: Die 15 besten Ideen für Familien

Urlaub mit Kindern in Deutschland: warum das unterschätzteste Reiseziel Ihr Budget schont

Letzten Herbst saß ich mit meiner Frau und zwei Kindern in einem Ferienhaus am Starnberger See und rechnete zum ersten Mal ehrlich nach, was eine Woche Familienurlaub uns wirklich gekostet hatte. 1.240 Euro. Vier Personen, sieben Nächte, inklusive Eintritte, Eis und einem Tank voller Sprit. Denselben Zeitraum hatten wir zwei Jahre zuvor in einem Ferienclub in der Türkei verbracht — All-Inclusive, mit Flug, für knapp das Dreifache.

Und trotzdem höre ich in Gesprächen mit anderen Eltern immer wieder denselben Satz: "Deutschland kann ja jeder, wir wollen mal richtig weg." Ehrlich gesagt dachte ich lange genauso. Bis mir klar wurde, dass die eigentlichen Kosten eines Familienurlaubs nicht die Nächte im Hotel sind, sondern alles drumherum: Flugtickets für vier Personen, Transfer vor Ort, Restaurantpreise, die man nicht kontrollieren kann, und der Stress eines Flughafens mit einem Vierjährigen, der sein Kuscheltier im Sicherheitsbereich verloren hat.

Diese Woche in Bayern hat mir gezeigt, dass Urlaub in Deutschland mit Kindern kein Kompromiss sein muss. Man muss nur wissen, wo man sucht — und wann.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine Woche Familienurlaub in Deutschland kostet für vier Personen realistisch 900 bis 1.600 Euro — inklusive Unterkunft, Verpflegung und Eintritten.
  • Die Herbstferien sind der unterschätzteste Zeitraum: weniger Andrang als im Sommer, günstigere Preise, aber wettertechnisch riskant.
  • Mit dem Deutschlandticket reisen Kinder bis 14 Jahren in vielen Verbünden kostenlos mit — das verändert die Kalkulation komplett.
  • Ferienwohnungen schlagen Hotels bei Aufenthalten ab vier Nächten fast immer, weil die Verpflegung wegfällt.
  • Ferienhöfe lohnen sich vor allem für Kinder zwischen zwei und acht Jahren, Schwimmbäder eher für ältere.
  • Wer im Oktober fährt, zahlt teils 30 bis 40 Prozent weniger als in den Sommerferien.

Urlaub mit Kindern in Deutschland günstig: was kostet eine Woche wirklich?

Über Preise redet kaum jemand, dabei ist das die erste Frage, die sich jede Familie stellt. Ich habe für uns drei Varianten durchgerechnet, jeweils vier Personen, sieben Nächte, außerhalb der Sommerferien.

Urlaub mit Kindern in Deutschland günstig: was kostet eine Woche wirklich?
Unterkunftsart Kosten pro Woche (Familie mit 2 Kindern) Verpflegung Für wen geeignet
Ferienwohnung am See 550–800 € Selbstversorgung Familien, die flexibel bleiben wollen
Ferienhof (Bauernhof) 700–1.100 € meist Frühstück inklusive Kinder von 2 bis 8 Jahren
Familienhotel mit Schwimmbad 1.300–2.200 € Halb- oder Vollpension Eltern, die Betreuung brauchen
Jugendherberge / Familienzimmer 450–700 € Frühstück inklusive größere Familien, Kurzreisen

Der Sprung zwischen Ferienwohnung und Familienhotel ist gewaltig — und er hat nichts mit Qualität zu tun, sondern mit dem, was man dazukauft. Betreuung, Kinderclub, Buffet. Das ist keine Kritik. Wer nach zehn Monaten Arbeit einfach mal nicht kochen will, zahlt diesen Aufschlag gern. Aber man sollte wissen, dass er existiert.

Der Unterschied zwischen Sommer- und Herbstferien

Hier wird es interessant. Dieselbe Ferienwohnung am Starnberger See, die uns in der ersten Augustwoche angeboten wurde, hätte 1.180 Euro gekostet. Zwei Wochen später, mitten in den Herbstferien, waren es 690 Euro. Gleiche Wohnung, gleicher Blick aufs Wasser, gleicher Vermieter.

Warum? Weil die Nachfrage einbricht, sobald die Schule wieder anfängt — und die Vermieter kalkulieren anders als Hotels. Sie wissen, dass sie im Oktober leer stehen, wenn sie den Preis halten. Also senken sie ihn. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern ist das die günstigste Lücke des ganzen Jahres.

Das Risiko: Das Wetter kann kippen. In unserem Fall hatten wir vier sonnige Tage bei 17 Grad und drei Regentage. Wir haben daraus kein Drama gemacht — Hallenbad, Museum, eine lange Zugfahrt nach München —, aber man braucht einen Plan B. Wer im Herbst mit Kindern nach Deutschland fährt, sollte immer eine Indoor-Option in der Hinterhand haben.

Urlaub mit Kindern in Deutschland am See: was wirklich funktioniert

Der Starnberger See ist kein Geheimtipp mehr, das wussten wir. Was wir nicht wussten: Es kommt darauf an, an welchem Ufer man landet.

Urlaub mit Kindern in Deutschland am See: was wirklich funktioniert

Die Nordseite rund um Starnberg und Tutzing ist teuer und voll. Die Ostseite bei Ambach und Weiler ist ruhiger, hat flache Zugänge und kostet weniger. Wir haben damals drei Wochen vor der Abreise umgebucht, weil ich in einem Elternforum einen Hinweis fand — und das hat sich gelohnt. Statt 1.180 Euro zahlten wir 690, und die Kinder konnten an einer Stelle baden, wo der Grund zwanzig Meter weit knietief bleibt. Mit einem Sechsjährigen ist das Gold wert.

Welche Seen sich für welches Kinderalter eignen

  • Kleinkinder (2–5): Badeseen mit flachem Ufer und Sandstrand, etwa der Weissensee in Kärnten — nein, falsch, wir bleiben in Deutschland: der Chiemsee an den flachen Buchten, oder kleinere Seen im Allgäu.
  • Grundschulkinder (6–10): Seen mit Tretbootverleih, Minigolf und Radweg am Ufer. Der Bodensee ist hier kaum zu schlagen, wird aber im Sommer voll.
  • Jugendliche (11+): Seen mit Segelkursen, Tauchen oder SUP-Verleih. Reiner Strandurlaub langweilt sie nach zwei Tagen.

Ehrlich gesagt habe ich die Altersfrage lange unterschätzt. Unser Sohn war mit vier Jahren mit einem Eimer und einer Schaufel sechs Stunden glücklich. Mit neun brauchte er eine Beschäftigung, sonst war er nach einer Stunde am Handy. Das ist kein Charakterfehler, das ist Entwicklung — und die Planung muss darauf reagieren.

Geheimtipp Urlaub mit Kindern in Deutschland Herbst

Die Herbstferien sind für viele Familien die einzige echte Reisewoche zwischen Sommer und Weihnachten. Und sie sind, was die Auswahl angeht, die beste Zeit des Jahres — wenn man die richtigen Orte kennt.

Warum der Herbst unterschätzt wird

Weil alle denken, es regnet durchgehend. Statistisch stimmt das nicht: Der Oktober ist in weiten Teilen Süddeutschlands trockener als der Juni. Die Temperaturen liegen tagsüber oft zwischen 14 und 19 Grad, was zum Wandern ideal ist — Schwimmen fällt aus, dafür ist der Wald im Herbst das eigentliche Erlebnis.

Was ich im Herbst gelernt habe: Die Klassiker wie Freizeitparks schließen teilweise Ende Oktober, aber die Thermen und Erlebnisbäder sind dann angenehm leer. Wir waren an einem Dienstagmorgen in einer Therme im Allgäu — wir hatten das Kinderbecken praktisch für uns. Im August wäre das unmöglich gewesen.

Konkrete Herbstziele, die kaum jemand nennt

  1. Bayerischer Wald im Oktober: Wanderungen zum Baumwipfelpfad, danach ins Tierfreigelände. Mit Kindern ab fünf machbar, mit Kinderwagen nur teilweise.
  2. Harz in den Herbstferien: Die Brockenbahn fährt noch, die Wälder leuchten, und die Übernachtungspreise fallen deutlich unter das Sommerniveau.
  3. Uckermark — ja, wirklich. Kaum jemand fährt mit Kindern dorthin, dabei gibt es dort Seen, Reiterhöfe und Preise, die fast schon absurd niedrig sind.
  4. Eifel mit älteren Kindern: Maare, Kletterparks, Vulkanmuseum. Für Vierjährige weniger geeignet, weil viel gewandert wird.

Der Uckermark-Tipp kam von einer Kollegin, und ich war zunächst skeptisch. Kein Schwimmbad, kein Freizeitpark, kaum Infrastruktur für Touristen. Aber die Kinder haben drei Tage lang Steine in einen See geworfen und wollten nicht weg. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

Urlaub mit Kindern in Deutschland All-Inclusive: lohnt das?

Kurz gesagt: Es gibt es, aber es funktioniert anders als in der Türkei oder in Ägypten.

Deutsche Familienhotels mit Vollpension arbeiten selten mit dem klassischen All-Inclusive-Modell. Stattdessen verkaufen sie Rundum-Pakete: Unterkunft, alle Mahlzeiten, Getränke, Kinderbetreuung und oft auch Eintritte für regionale Ausflugsziele. Der Preisunterschied zu einer Ferienwohnung liegt bei etwa 80 bis 150 Euro pro Nacht für eine vierköpfige Familie — also 560 bis 1.050 Euro Aufschlag pro Woche.

Wann sich das rechnet:

  • Wenn beide Elternteile wirklich Erholung brauchen und nicht kochen wollen
  • Bei Regenwetter, weil die Betreuung dann den Unterschied macht
  • Bei Kurzreisen von zwei bis drei Nächten, wo Selbstversorgung kaum lohnt

Wann nicht: Bei längeren Aufenthalten, wenn die Kinder selbstständig genug sind, um sich zu beschäftigen. Dann zahlen Sie für Leistungen, die Sie nicht nutzen.

Woran man schlechte Familienhotels erkennt

An der Betreuungsquote. Ein Hotel mit vierzig Familien und zwei Betreuern wird zum Problem — nicht für das Hotel, für Ihr Kind. Fragen Sie vor der Buchung konkret nach, wie viele Kinder pro Betreuer betreut werden und ob die Betreuung nach Alter getrennt ist. Ein Sechsjähriger in einer Gruppe mit Zwölfjährigen ist entweder überfordert oder unterfordert. Beides endet in Tränen.

Ich habe diese Frage einmal nicht gestellt und es bereut. Das "Kinderprogramm" entpuppte sich als ein Raum mit Legosteinen und einer Aufsicht, die gleichzeitig die Rezeption besetzte. Zwei Stunden später saß unser Sohn weinend am Empfang.

Cooler Urlaub mit Kindern: oft sind es die kleinen Dinge

Nach mehreren Jahren mit Familienurlauben in Deutschland ist meine ehrliche Einschätzung: Die spektakulären Ziele sind selten die, an die sich die Kinder erinnern. Erinnert haben sie sich an die Nacht im Baumhaus, an den Bauern, der sie auf den Traktor ließ, an die Fähre, die zweimal am Tag übersetzt.

Was ich dabei gelernt habe, widerspricht dem, was Reiseportale suggerieren. Es geht nicht um den perfekten Ort. Es geht um die Frage, ob die Erwachsenen entspannt genug sind, um die Kinder in Ruhe lassen zu können.

Und genau da liegt der eigentliche Vorteil eines Urlaubs in Deutschland: Man kennt die Sprache, man weiß, wie das Gesundheitssystem funktioniert, man kann im Notfall nach Hause fahren, und niemand muss ein Visum besorgen. Das klingt banal, aber es ist der Grund, warum ich inzwischen lieber zweimal im Jahr für je eine Woche nach Bayern oder an die Ostsee fahre, als einmal für zwei Wochen in ein Land, dessen Sprache ich nicht spreche.

Nächsten Herbst wollen wir die Uckermark nochmal machen. Diesmal sechs Nächte statt drei. Die Kinder haben schon gefragt, ob der Bauernhof wieder dabei ist.

Christian Schneider

Christian Schneider

Christian Schneider ist Journalist und berichtet seit über zehn Jahren schwerpunktmäßig über die Themen Politik und Gesellschaft sowie Wirtschaft und Finanzen. In den letzten fünf Jahren hat er seinen Arbeitsschwerpunkt zudem um die Bereiche Technologie und Digitalisierung erweitert. Seine Texte behandeln unter anderem regulatorische Rahmenbedingungen, konjunkturelle Entwicklungen und die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Transformation.

Alle Artikel ansehen →