Samojede: der weiße Hund mit dem Lächeln, der mehr Arbeit macht, als er aussieht
Der Samojede ist der einzige Hund, bei dem die Leute auf der Straße stehen bleiben und „oh, wie süß" sagen, während ich mit einem Staubsauger, einem Furminator und einer Rolle Klebeband unterm Arm nach Hause laufe. Wenn Sie über den Kauf eines Samojeden nachdenken, dann lesen Sie das hier, bevor Sie sich online in ein Welpenfoto verlieben. Ich habe über die Jahre drei Samojeden begleitet, zwei davon gehörten mir selbst, und ich habe jeden Fehler gemacht, den man machen kann.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Samojede ist kein Anfängerhund. Er ist extrem anhänglich, aber nicht gehorsam im klassischen Sinn.
- Die Fellpflege ist kein Hobby, sondern ein wöchentlicher Pflichttermin – in der Mauser fast täglich.
- Rassebedingte Gesundheitsrisiken existieren: Hüftdysplasie, erbliche Glomerulopathie und progressive Netzhautatrophie sind keine Erfindungen.
- Rechnen Sie mit laufenden Kosten, die deutlich über denen eines Labradors liegen. Allein das Futter.
- Ein Samojede ohne Auslastung wird erfinderisch. Das ist nicht charmant, das ist Chaos.
- Wer Jagdtrieb, Eigenwilligkeit und Bellfreudigkeit nicht erträgt, wird mit dieser Rasse nicht glücklich.
Was macht den Samojeden eigentlich aus?
Der Name führt viele in die Irre. Der Samojede kommt nicht von einer Ortsbezeichnung, sondern von den samojedischen Völkern Nordsibiriens. Dort war er kein Schoßhund, sondern ein Arbeitstier mit drei Jobs: Rentierherden treiben, Schlitten ziehen, und nachts im Zelt als lebende Heizung dienen. Diese Herkunft erklärt fast alles, was heute an ihm nervt.
Warum diese Rasse so ungewöhnlich freundlich ist
Ein Hund, der mit Menschen in einem Zelt schläft, kann nicht misstrauisch sein. Wer als Wachhund Aggression entwickelt, liegt nachts neben der Familie. Das Ergebnis dieser jahrhundertelangen Auslese ist ein Hund, der praktisch jeden Fremden als potenziellen Freund betrachtet. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Samojede einen Besucher angeknurrt hat. Zweimal in fünfzehn Jahren. Das klingt schön, und ist für viele der Grund, sich diese Rasse zuzulegen.
Es hat nur einen Haken: dieselbe Offenheit macht ihn zu einem katastrophalen Wachhund. Wer einen Hund will, der das Grundstück bewacht, sollte weiterlesen. Wer einen Hund will, der den Einbrecher freundlich zur Terrassentür begleitet, ist hier richtig.
Das typische „Samojeden-Lächeln" – die nach oben gezogenen Mundwinkel – ist übrigens reine Anatomie. Die Maulwinkel sind so geformt, dass die Zähne sichtbar bleiben. Es ist kein Ausdruck von Freude, auch wenn uns das keiner glaubt.
Größe und Gewicht im Überblick
Die FCI führt die Rasse unter Nummer 212 in Gruppe 5. Männliche Tiere erreichen etwa 57 cm Schulterhöhe bei 20 bis 30 Kilo, Hündinnen liegen bei rund 53 cm und 17 bis 25 Kilo. Das ist kein großer Hund, aber auch kein kleiner. Meine erste Hündin wog ausgewachsen 19 Kilo und sah dabei deutlich kompakter aus als der Rüde meines Nachbarn, der 31 Kilo auf die Waage brachte. Dieselbe Rasse, völlig unterschiedliche Erscheinung.
Charakter und Erziehung: der ehrliche Teil
Jeder Rasseporträt-Text schreibt „selbstständig und eigenwillig". Das ist die höfliche Umschreibung für: Dieser Hund entscheidet selbst, ob er gehorcht.
Ich habe mit meinem ersten Samojeden eine reguläre Hundeschule besucht. Nach zwölf Wochen konnte er Sitz, Platz und Bleib – zu Hause, in der Küche, ohne Ablenkung. Im Park mit einer Taube in Sichtweite? Komplett taub. Die Trainerin sagte damals einen Satz, den ich bis heute zitiere: „Sie arbeiten nicht mit einem Hund, Sie verhandeln mit einem Partner." Genau so fühlt es sich an.
Was beim Samojeden wirklich funktioniert
- Kurze, sehr häufige Einheiten. Fünf Minuten, drei Mal am Tag bringen mehr als eine Stunde am Stück.
- Futterbelohnung mit hohem Wert. Trockenfutter aus der Tüte interessiert ihn nicht. Gekochtes Hühnerfleisch schon.
- Konsequenz ohne Härte. Wer laut wird, verliert. Sofort.
- Auslastung vor dem Training. Ein müder Samojede lernt, ein gelangweilter nicht.
- Geduld. Wirklich viel Geduld.
Kann man einen Samojeden allein lassen?
Kurze Antwort: nur begrenzt, und nie von Anfang an. Diese Hunde wurden über Generationen im Verbund gehalten. Wer acht Stunden außer Haus ist, wird einen Nachbarn haben, der sich beschwert. Ich habe es versucht, mit Kamera und allem. Nach zwei Wochen hatte meine Hündin eine Zimmertür zerlegt. Seitdem gibt es eine Betreuung, und das kostet.
Fellpflege: der Punkt, an dem die meisten unterschätzen
Die weiße Doppelschicht ist das Markenzeichen und der Grund, warum ich keinen hellen Teppich mehr besitze.
| Aufgabe | Normale Zeit | Während der Mauser |
|---|---|---|
| Bürsten | 2–3 Mal pro Woche, je 20 Minuten | täglich, 30–40 Minuten |
| Baden | 3–4 Mal pro Jahr | nach Bedarf, mindestens einmal |
| Unterwolle entfernen | alle zwei Wochen | jeden zweiten Tag |
| Krallen schneiden | alle 4 Wochen | alle 4 Wochen |
Die Mauser findet zweimal jährlich statt, jeweils mehrere Wochen lang. Wer die Unterwolle nicht regelmäßig auskämmt, riskiert Verfilzungen direkt auf der Haut. Eine dieser Verfilzungen habe ich bei meinem Rüden zu spät bemerkt. Tierarzt, Narkose, Rasur. Rund 400 Euro für etwas, das ein Kämmgerät für 30 Euro verhindert hätte.
Welche Werkzeuge sinnvoll sind
Ein gutes Unterwolle-Werkzeug ist Pflicht. Ein Furminator oder eine vergleichbare Karde entfernt die lockere Unterwolle, ohne die Deckhaare zu beschädigen. Dazu eine Stahlbürste für den Rest, ein grobzinkiger Kamm für die Beine und ein guter Staubsauger mit Tierhaaraufsatz. Ich habe zwei billige Bürsten durchprobiert, beide landeten nach kurzer Zeit in der Schublade. Sparen Sie hier nicht.
Gesundheit: was wirklich auftreten kann
Hier wird es unangenehm, und genau hier schweigen die meisten Rassebeschreibungen.
Der Samojede ist keine kranke Rasse im Sinne einer Qualzucht. Er hat aber einige erbliche Erkrankungen, die in der Zucht bekannt sind und gegen die seriöse Züchter testen lassen.
- Hüftdysplasie. Bei mittelgroßen, kräftigen Rassen verbreitet. Vor dem Kauf sollten Sie HD-Röntgenwerte der Elterntiere verlangen.
- Progressive Netzhautatrophie (PRA). Eine erbliche Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann. Es gibt Gentests.
- Hereditäre Glomerulopathie. Eine erblich bedingte Nierenerkrankung, die spezifisch beim Samojeden auftritt und in schweren Fällen tödlich verläuft. Auch hier existiert ein Gentest.
- Hypothyreose. Eine Schilddrüsenunterfunktion, behandelbar, aber häufig übersehen.
Was die Lebenserwartung angeht, so liegt sie bei gesunden Tieren meist zwischen zehn und dreizehn Jahren. Mein ältester wurde vierzehn. Er konnte die letzten zwei Jahre kaum noch Treppen steigen, war aber bis zum Schluss völlig klar im Kopf.
Worauf Sie beim Züchter achten sollten
- Gentests auf PRA, Glomerulopathie und HD-Ergebnisse vorlegen lassen.
- Papiere allein sagen nichts über Gesundheit aus. Fragen kostet nichts.
- Welpen aus einer Zucht ohne Verbandsanbindung sind meist günstiger und meist risikoreicher.
- Besuchen Sie die Mutterhündin. Nicht nur die Welpen.
Was kostet ein Samojede wirklich?
Der Anschaffungspreis ist der kleinste Posten. Ich habe für meine beiden Hündinnen jeweils um die 1.500 Euro gezahlt, aus einer geprüften Zucht mit vollständigen Papieren. Günstiger wird es bei Züchtern ohne Verband, irgendwo zwischen 700 und 1.000 Euro. Dabei bleibt es aber nicht.
Allein die laufenden Kosten summieren sich monatlich auf einen Betrag, den ich beim ersten Hund völlig unterschätzt habe. Futter in passender Menge, weil der Samojede zur Fettleibigkeit neigt, Tierarztvorsorge, Versicherung, Haftpflicht, ein Betreuungsplatz für die Stunden, in denen niemand da ist. Dazu kommen Werkzeuge für die Fellpflege, ein stabiles Geschirr, weil ein Halsband bei Zug schlicht nicht genügt.
Realistisch landen Sie bei einem Samojeden im ersten Jahr deutlich über dem Doppelten des Anschaffungspreises. Und danach bleibt es teuer. Wer das nicht kalkulieren kann oder will, sollte keinen dieser Hunde halten.
Für wen ist ein Samojede geeignet?
Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, lautet: „Passt ein Samojede zu uns?" Ehrlich gesagt: das kommt darauf an, ob Sie bereit sind, sich auf einen Hund einzulassen, der Ihnen nicht gehorcht, weil Sie es sagen, sondern weil er es gerade für sinnvoll hält.
Wer viel Zeit hat, wer gerne draußen ist, wer die stundenlange Fellpflege nicht als Last empfindet – für den ist ein Samojede ein außergewöhnlicher Begleiter. Wer eine zuverlässige Schutzhündin sucht, wer acht Stunden am Tag außer Haus ist, wer einen ruhigen Hund für die Wohnung mit kleinem Garten will, wird mit jedem anderen Hund glücklicher.
Mein erster Samojede hat mich gelehrt, dass Hundehaltung nicht bedeutet, etwas zu befehlen. Es bedeutet, einen Partner zu ertragen, der manchmal anderer Meinung ist. Und trotzdem wird Ihnen dieser Hund in jedem Straßencafé, an jeder Ecke, auf jedem Spaziergang die gleiche Reaktion bescheren: „Was für ein schöner Hund."
Diese Schönheit hat einen Preis. Aber wenn Sie ihn einmal akzeptiert haben, will man nie wieder eine andere Rasse. Ehrlich gesagt, ich zumindest nicht.